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Die Gründung 1999...

Um eine Narrenzunft gründen zu können, brauchte es zunächst eine Gestalt, die historisch fassbar ist. Bisher konnten in den Chroniken von Lautlingen keinerlei Fasnachtsfiguren direkt belegt werden. Allerdings ist das Vermummen bereits im Jahre 1587 verboten. 

Ein Problem besteht in Lautlingen darin, dass wir sozusagen „katholische Enklave" im evangelischen Umland sind. Die Gemeinden Lautlingen und Margrethausen sind als einzige Ortschaften durch die freie Reichsritterschaft der „von Stauffenberg" beim „alten" Glauben geblieben. Trotzdem hat die Reformation auch hier Nachwirkungen hinterlassen und sei es nur dadurch, dass die Nebengemeinden keine Fasnet kannten. Erst in den letzten Jahren wurden verschiedene Vereine ins Leben gerufen.

Hierzu muss bemerkt werden, dass die Fasnet in Lautlingen in den 80er Jahren einen Niedergang ohnegleichen erlebt hat. Ich erinnere an Wirtshausveranstaltungen und einen Kinderumzug am Fasnetsdienstag. Von Dreikönig an war jeden Samstag zusätzlich eine Veranstaltung in der Festhalle. Erst zunehmende Randale und Schlägereien veranlassten die Vereine zum Aufgeben. Trotzdem gab es immer einige närrische Mitbürger, die wenigstens eine Abendveranstaltung überleben ließ. Auch die Kinderfasnet am Dienstagnachmittag wurde hauptsächlich durch die örtliche Musikkapelle aufrecht erhalten. Einige Musikanten spielten fast 20 Jahre mit der Lumpenkapelle auf der Fasnet, denn das närrische Blut war vorhanden. Es hat Spaß gemacht und von einem Teil dieser Musiker ging die Initiative zur Gründung einer Narrenzunft aus.

Karl Leupolz - Stoa KarleAls wir uns überlegten wie man das Werk wohl am besten angehen könne, war schnell klar, dass es hier nur anhand einer Sagengestalt weitergehen kann. Wenn, dann sollte die ganze Sache historisch belegt werden und nichts aus dem Boden gestampft werden, das keinen Bestand hat. Als erstes dachten wir an den „Gaus-Spanner" (Übername der Lautlinger, kommt von Gänsespanner). Nach einigen Überlegungen brachte Heiko Peter Melle das Gespräch auf den „Kübele Hans", dessen Geschichte er bereits in seiner Schulzeit einmal gehört hatte. Erneut suchte er nach einem Beleg für die Geschichte und fand diesen denn auch in nachstehender Version:

[1]„In Hossingen, dessen Bewohnern längst nahe geht, dass die Lautlinger Markung ihrem Ort so nahe liegt, geht die Sage vom Kübelehans. Vor alter Zeit lief ein Lautlinger namens Kübel auf Hossingen zu und Hossinger liefen auf Lautlingen zu, und wo sie sich trafen, sollte die Grenze sein. Der schlaue Kübel aber hatte sich vertragswidrig zu bald auf den Weg gemacht und kam nahe bis an das Dorf Hossingen. Vorher hatte Lautlinger Erde in seine Schuhe und einen Löffel unter seinen Hut gethan und beschwor nun, er stehe auf Lautlinger Boden, so wahr ein Schöpfer über ihm sei. Die Hossinger verloren dadurch viele Äcker und waren sehr erbost. Der Kübel erhängte sich nachher und ward in einem Fas begraben ganz nahe der Hossinger Markung. Aber Ruhe hat er nicht, denn in der Adventszeit ist er dabei, wenn die Leute beim Vorübergehen des Nachts sehen, dass Geister mit feurigen Prügeln auf einander schlagen."

[2]„Festlegung der Grenze zwischen Lautlingen und Hossingen. Zur Festlegung der Grenze zwischen den Markungen Lautlingen und Hossingen überliefert uns der Volksmund folgende Begebenheit: Die Schultheißen beider Gemeinden konnten sich über die Grenzziehung nicht einigen. Sie trafen schließlich folgende Vereinbarung: zu einem bestimmten Zeitpunkt sollte ein Bürger jeder Gemeinde loslaufen, und wo sich die beiden Läufer begegneten, da sollte die endgültige Grenze sein. Der Schultes von Lautlingen bestimmte als Läufer den als Schalk bekannten Kübele Hannes. Nun, der Hannes hatte sich die Sache gut überlegt. Er zog sich ein Paar derbe Stiefel an, in die er Lautlinger Boden (Erde) geschüttet hatte, steckte sich einen kleine „Schöpfer" (Schöpflöffel) unter den Hut und trat seinen Lauf eine Viertelstunde vor der vertraglichen zeit an. An der heutigen „Hossinger Leiter" stieß er mit seinem Gegenläufer zusammen, der ihm Vertragsbruch vorwarf und ihn beschuldigte vor der festgesetzten Zeit vom Lautlinger Rathaus abgelaufen zu sein. Entrüstet Schwur darauf der Kübele Hannes: „So wahr ich Lautlinger Boden unter meinen Füßen und den Schöpfer über meinem Haupte habe, bin ich zu rechten Zeit losgelaufen." Auf diesen Schwur hin wurde dann die Grenze an der Hossinger Leiter festgelegt. Dem Kübele Hans zur Ehre wurde dann der sich an dieser Grenze aufreckende hohe Fels „Kübelehansfels" genannt."

Dass es in Lautlingen schon vor Jahrhunderten fasnächtliche Umtriebe gab, wird durch die Polizeisatzung von 1587 bestätigt. Zwar wurden diese Art von Gesetzbüchern nicht von jedem eigenständig verfasst, jedoch erfolgte die Zusammenstellung durchaus spezifisch für den jeweiligen Ort. Nach Rücksprache mit Herrn Dr. Lang, Stadtarchivar in Albstadt, kann man davon ausgehen, dass zumindest in vorreformatorischer Zeit hier in Lautlingen ziemlich heftig gefeiert wurde. Der Landesherr sah sich gezwungen, aus rein erzieherischen Gründen, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Als er seine Gesetzessammlung schaffen lies, griff er mit Sicherheit auf bestehende Sammlungen gleicher Art im württembergischen und damit evangelischen Nachbarland zurück. Er benutzte also die Formulierungen, die juristisch einwandfrei waren und stellte sich die Sammlung nach eigenen Wünschen zusammen. Darin enthalten auch die nachstehenden Paragraphen:

[3]„Von Fassnacht Hennen.

Ein yeder Underthan, Hinderseß und alle yenige, so sich Ehelichen verheurathan, die seyen bey Vatter unnd Muetter oder nit, die seyen der Obrigkaidt alle Jahr ain Faßnacht Hennen zue geben schuldig."

Derselbe: „Von Gastereyen, Hochzeiten, Fastnacht Kuechlin holen und vermupten Personen. Es sellen auch hiemit alle unzimliche Gastereyen, als Kürchweihen, Thauf und Khindbeth, Mäller, Faßnacht Kuechlins holen und Verklaydung gentzlich abgethon unnd verbotten sein, bei Straf.........2 fl. x kr."

Neben den Fastnacht-Hennen wird hier ganz deutlich das holen (betteln) von Fastnachtsküchlein und auch das Verkleiden selbst bei hoher Strafe verboten. Eine Strafe von zwei Gulden kann so bemessen werden, dass in jener Zeit eine Magd diesen Betrag innerhalb eines Jahres auf die hohe Kante legen konnte, wenn sie Kost und Logis frei hatte. Zwar konnte ein jeder seine Strafe abarbeiten, aber auch das war mühselig genug. Die Abschreckung durch diesen hohen Betrag war also gegeben.

Wenn also in Lautlingen eine echte Fastnachtsfigur belegt werden könnte, dann sicher nur vor der Reformation. Dies hat den einfachen Grund, so Dr. Lang, dass nach der Reformationszeit die umliegenden Orte doch ein gewissen Einfluss auf die Lautlinger Bürger hatten. Dies zumindest in der Form, dass wenn die Lautlinger zu ausgiebig gefeiert hatten, sie dann von ihren Nachbarn verspottet oder missachtet wurden, eine Behandlung die es heute in ähnlicher Form immer noch gibt. Allerdings ist die Quellenlage vor der Reformation ausnehmend schlecht.

Im 19. und 20. Jahrhundert fanden Fasnetsveranstaltungen statt, das wird aus der Ortschronik schnell klar. Ein Beispiel dafür mag die Anzeige aus dem Jahre 1927 sein, als die Musikkapelle zu einem Ball einlud. Hier allerdings fand der Umzug ohne Masken statt.

Dass in der Nachkriegszeit nach 1945 die Fasnet wieder eine Renaissance hatte ist mündlich und schriftlich überliefert und gesichert. Fast alle Vereine haben sich daran mit Veranstaltungen beteiligt. Fasnetsbälle bzw. Tanzveranstaltungen wurden früher vornehmlich im Gasthaus Lamm abgehalten, später in der Turn- und Festhalle.

Nach einer gemeinsamen Sitzung von Brauchtumsverbundenen Lautlingern kamen wir zu dem Ergebnis, dass die „Narrenzunft Kübele-Hannes Lautlingen" ins Leben gerufen werden sollte. Als Vorlage für die Maske, die einen knitzigen alten Grenzgänger darstellen soll, wurde ein Lautlinger Original gewählt. Das Fotoarchiv "1200 Jahre Lautlingen" förderte dazu das entscheidende Bild zutage.

Kübele-Hannes GesichtszügeDie Gesichtszüge des „Stoa (Stein)-Karle" (Karl Leupolz) sind so markant, dass sie uns alle faszinierten. Um es aber gleich noch zu erklären, die Gründungsmitglieder wollten und wollen in keinster Weise das Ansehen dieses Mannes verunglimpfen. Allein seine Gesichtszüge waren für uns interessant. Was der renommierte Holzschnitzer Markus Engel aus Schörzingen daraus anfertigte, kann man heute im Bild und an der Fasnet in 50 facher Ausfertigung selbst sehen.

Die Bekleidung sollte in jedem Falle relativ schlicht werden. Zu einem derben naturweißen Leinenoberhemd kommt eine grobe strapazierfähige schwarze Hose und derbe Schuhe. Das Oberhemd wird auf der Rückseite mit dem neu geschaffenen Zunftwappen bestickt.

Es basiert auf dem Wappen der Herren von Tierberg, das dazu noch mit einem oberen Feld ergänzt wurde. In diesem befindet sich auf goldenem Grund ein orange-rötlicher Holzeimer als Synonym für den Zunftnamen. Das Wappen wurde bereits geprüft vom heraldischen Verein „Der Wappen-Löwe" in München. Es entspricht den derzeit gültigen Regeln der Heraldik.

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[1] Aus der Oberamtsbeschreibung des Oberamtes Balingen, Stuttgart 1880. Als Quellenangabe finden wir dort den Verweis auf E. Meier „Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche in Schwaben" und A. Birlinger, „Volksthümliches aus Schwaben" 1861, sowie derselbe „Aus Schwaben" 1874. Nach gründlichem Studium dieser Bücher handelt es sich hier aber eher um Angaben ähnlicher Sagen von Feld-Untergängern, die im ganzen schwäbischen Land kursieren.

[2] Quelle: Ortschronik Lautlingen, Band I Tagesberichte, Seite 289

[3] Aus „Pollicey Satzung und Ordnung des Edlen und Vesten Friedrich Diethegen von Westerstetten und Trackenstain zue der Wilden Thierberg und Lautlingen" entstanden 1587.

   

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